Spielwiese in Berlins Mitte: Tempelhofer Freiheit

Flughäfen sind gerade jetzt ein sehr leidiges Thema in Berlin. Verplant, völlig unorganisiert, untragbar…Viele sehen in der Verschiebung der Flughafeneröffnung Berlin Brandenburg die hämischen Vorurteile über unsere liebenswerte aber chaotische Hauptstadt bestätigt.

Doch es gibt auch einen Flughafen in Berlin, der das Stadtbild zu etwas ganz Besonderem macht: Tempelhof,  durch die berühmte Luftbrücke wohl  Deutschlands geschichtsträchtigster Flughafen.  Vor vier Jahren wurde der Luftverkehr eingestellt und das Flughafenfeld, das unter Denkmalschutz steht, wird heute als Park genutzt.

Das klingt fast ein bisschen unspektakulär. Das ehemalige Flughafenfeld besteht ja eigentlich nur aus Wiese und Landebahnen. Auf FAZ.net wird Tempelhof in einem Artikel als „Insel der Verwahrlosung“ bezeichnet, der Tagesspiegel benutzte schon den Begriff „Weltstadtpampa“. Und damit haben beide ja auch gar nicht so Unrecht. Aber gerade das Unspektakuläre macht Tempelhof besonders. So groß wie New Yorks berühmter Central Park liegt das Flughafenfeld mitten in Berlins Zentrum.  Und in einer Stadt, in der teilweise die Überreste von Silvesterknallern noch im Hochsommer auf den Straßen herumliegen, ist eine wunderbar geteerte, schnurgerade Rollbahn schon ziemlich besonders.

Dementsprechend verwandelt sich das Gelände gerade im Sommer zu einem wahren Paradies für Sportwütige, die mit Rennrädern, Inlineskates oder Skateboards ihre Runden drehen. Und so voll die Stadt im Sommer auch ist, Tempelhof ist groß genug, dass man wirklich Platz hat, joggen zu gehen ohne dabei Kinderwägen oder Spaziergänger über den Haufen zu rennen. Oder einfach mal im Gras zu liegen, sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und dabei die Aussicht auf den Fernsehturm zu genießen. Außerdem verirren sich selten die Massen von Touristen auf das Flughafenfeld, die im Sommer die Hauptstadt bevölkern.

Und wahrscheinlich gibt es in ganz Berlin keinen besseren Platz, um Drachen steigen zu lassen. Denn das freie Feld ist gerade im Herbst so windig, dass Läufer und Inliner ganz schön gegen die Böen ankämpfen müssen. Dafür ist an solchen Tagen der ganze Himmel über Tempelhof voll mit Drachen jeder Farbe und Größe, denen man wirklich stundenlang zuschauen könnte. Der Wind ist nicht nur super zum Drachensteigen, sondern auch zum Windsurfen. Dabei  rollt man mit umfunktionierten Surfbrettern und großen Segeln über die Landebahnen. Beliebt ist auch die Variante, sich auf ein Skateboard zu stellen und von einem Drachen ziehen zu lassen.

Leider soll aber bald alles anders werden. Tempelhof wird als Park umgestaltet. Mit Bäumen, Kletterfelsen, künstlichem See und in seiner Größe beschränkt, um Platz für neue Wohnsiedlungen zu schaffen. Damit wird es einen künstlichen Park mehr und eine Spielwiese weniger geben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Umgestaltung von Tempelhof genauso in die Länge zieht wie die Fertigstellungen des Flughafens Berlin Brandenburg.


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