Zwischen Agentur und Blockupy

„Nein – geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren.
Denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen, kann nur verlieren!.“

Als der Demonstrationszug der Blockupy Bewegung am Samstag durch die Frankfurter Innenstadt zieht, wummern “Die Ärzte” aus den Boxen. Bei strahlendem Sonnenschein ziehen 20 bis 25 Tausend Demonstranten am Main entlang.

Dem friedlichen Protest waren zuvor drei skurril anmutende Tage vorausgegangen. Das Lesen des online Livetickers der Frankfurter Rundschau wird in dieser Woche zu meinem persönlichen Vergnügen. Und auf dem Weg zur und von der Arbeit bekommt man so einiges mit…

Mittwochs wurde bereits das “EZB-Belagerungscamp“ am Willy-Brandt- Platz von der Polizei geräumt. Stundenlang dauerte es bis die Polizei alle Demonstranten aus dem Camp getragen hatten. Deja-vú dann am Donnerstag auf dem Domplatz: Eine handvoll Demonstranten sind umringt von einer Überzahl an Polizisten und Mannschaftswagen. Im Straßencafé neben dem Szenario sitzen Leute und genießen die Sonne. Einziger Unterschied zu Mittwoch: diesmal bleibt den Polizisten das wegtragen erspart. Auch am Freitag schaffen es die Blockupyer, dass Alltagsleben in Frankfurt auf den Kopf zu stellen. Demonstranten versammeln sich vor der Messe, an der EZB, am Main und am Bahnhof.  Beim Gedanken an die quer durch die Stadt hetzende Polizei muss ich grinsen. Sogar auf die Garderobe der Banker haben die Blockupyer Einfluss, denn um die Banker vor den Demonstranten zu “schützen“, werden diese angewiesen nicht im Anzug, sondern ganz casual zur Arbeit zu kommen, um nicht gleich als Banker aufzufallen. Die große Demonstration am Samstag verläuft dagegen eher unspektakulär.  Alles in allem “Ein Sieg für Blockupy“, so die Frankfurter Rundschau.

Mein Fazit: Das primäre Ziel das Bankenviertel trotz weitgehendem Aktionsverbot lahmzulegen wurde erreicht. Allerdings nicht durch die Demonstranten, sondern durch die zahlreichen Absperrungen und Blockaden der Polizei. Der oberirdische Nahverkehr sowie die Straßenbahn im Stadtzentrum waren erheblich eingeschränkt, der Hauptbahnhof zeitweise wie leer gefegt.

Und es hat sich gezeigt: Demonstrationen zu verbieten, kann auch nach hinten losgehen.

So viel zu meiner letzten Arbeitswoche und den “skurrilen” und spannenden Tagen in meiner neuen Stadt.

Cheers, Tamara


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