Bleierne Vorsätze

Nichts gehört mehr zu Silvester als Sekt, Blei gießen und gute Vorsätze.

Pünktlich zum Jahresende hat die forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) eine Studie zu den Vorsätzen der Deutschen für das kommende Jahr herausgegeben. Alles in allem steht dasselbe wie jedes Jahr an: weniger Stress, mehr Zeit für Familie und Freunde, abnehmen, weniger Alkohol und weniger Zigaretten. Die Sehnsucht nach Ruhe und dem Wunsch nach guter Gesundheit gibt auch der ADAC Reisetrend für 2013 wieder: 26,9 Prozent der ADAC-Mitglieder gaben an, im Allgäu zu wandern oder an der See entspannen zu wollen.

Da frage ich mich: warum müssen Vorsätze eigentlich grundsätzlich gut sein? Und was ist gut daran, mit vollkommener Unlust im Morgengrauen schwitzend durch den Park zu rennen oder jeden Abend mit spitzen Zähnen vor dem Salatteller mit Zitronendressing zu sitzen?

Untermauert werden die guten Vorsätze dann meist noch durch das obligatorische Bleigießen. Blumen symbolisieren enge Freundschaften für das neue Jahr und eine Münze oder Krone kann nur Reichtum bedeuten. Sollte das gegossene Blei die Form einer Sense haben, versucht man das naturgemäß anders zu deuten, gibt es allerdings keine Möglichkeit den sichelförmigen Bleiklumpen als Palme oder Anker („Du tätigst eine Reise“) durchzumogeln, ist zumindest klar, dass das Rauchen aufgegeben werden muss. Ob man nun ein sicheres Reisevorzeichen erwischt oder nicht, bei den ADAC Reisetrends gaben 72,8 Prozent der Befragten an im nächsten Jahr eine längere Urlaubsreise zu machen.

Übrigens: mit zunehmendem Alter werden immer weniger gute Vorsätze gemacht. Das heißt vielleicht, dass die ältere Generation mittlerweile gelernt hat: gute Vorsätze nerven spätestens im März  und sind ab Frühsommer nicht mehr durchzuhalten.  In diesem Sinne: Vorsätze, schön und gut, sie liegen einem aber durchaus auch mal wie Blei im Magen. Daher: vielleicht sollte man sich einfach mal öfter einen Urlaub gönnen.

Bis nächstes Jahr,

eure Linda


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