Ni hao Taiwan!

Eine Reise zur Formosa Insel

Es ist 9 Uhr morgens und endlich spüre ich warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Während ich meinen Koffer aus dem Flughafen rolle, sehe ich links Palmen und rechts in der Ferne einen bunt verzierten Tempel. An uns rasen Roller vorbei und die Luft duftet nach Urlaub und leckerem Essen.

Zusammen mit meinem Freund flog ich Ende März nach Taiwan, die kleine Insel östlich vom chinesischen Festland.

Erster Halt: Kaohsiung. Das ist die zweit größte Stadt Taiwans im Süden des Landes. Die Hafenstadt ist riesig und abwechslungsreich! Tagsüber probieren wir uns durch die vielfältige taiwanesische Küche und tingeln durch die bunten mit Werbung plakatierten Straßen. Abends verbringen wir unsere Zeit am Ài-hô („Liebesfluss“) und am sehr lebendigen Liuho-Nachtmarkt. Dort gibt es so weit das Auge reicht Essensstände und Spielbuden. Man wird einfach von den unterschiedlichsten Gerüchen aus Fisch, Fleisch und Süßem überwältigt. Von Sushi über Hühnerfüße bis hin zu frittierten Oreos gibt es einfach alles. Ob der westliche Magen manche Dinge, wie beispielsweise das Austernomelette, so wirklich mitmacht ist allerdings so eine Sache…

Fisch gibt es dort frittiert, roh („Sashimi“) oder gebraten und schmeckt überall um Welten besser als das, was wir bisher an Fisch gegessen haben. Ausserdem noch eine Variation: „Stinky Tofu“, ein gewöhnungsbedürftiges aber in Taiwan traditionelles Nudelgericht mit Tofustücken, das nicht ohne Grund „Stinky“ heißt… Das Gericht mit dem spannendsten Namen aber ist das „Sargbrot“: Brot in Sargform, gefüllt mit einer Milchcreme und Gemüse.

Abgesehen von „Stinky Tofu“ und Austernomelette war das meiste „hen hauze“ (chin. sehr lecker) – auch „Lian Wu“, eine Art Apfel, nur sehr viel saftiger und erfrischender. Den konnte man quasi trinken!

In einem sind wir uns einig: nie wieder wird uns deutsch-„chinesisches“ Essen schmecken wie vorher!

Touristen sind in Taiwan selten und wenn, dann kommen sie aus China. Deshalb kommt man in Taiwan mit Englisch nicht sonderlich weit aber mit pantomimischen Schwimmhandbewegungen versteht auch der einheimische Taxifahrer, dass man gerne an den Strand möchte.

Rollerfahren gehört in Taiwan fast schon zur Kultur. In der Rush-Hour stehen an einer mittelgroßen Kreuzung an die 60 Roller – pro Ampelschaltung! Meist fährt gleich die ganze Familie auf einem Roller mit: der Vater fährt, die Mutter hält die Einkaufstüten und der kleine Sohn steht vorne auf dem Fußpodest und isst ein Eis. Mit einem Roller kommt man in Taiwan eben überall hin.

Nächster Halt im Norden: Tainan, Taichung und der Sonne-Mond-See. Überall erleben wir atemberaubende grüne Landschaften mit Bergen, Palmen, Tee- und Obstplantagen. Die Ruhe ist für Stadtkinder dort schon fast gespenstisch… aber auch magisch. So legen wir oft die Füße hoch, trinken frischen Tee direkt von den Plantagen, blicken ins Weite und schauen zu wie Wolken über die Berge schweben.

taiwan

Vor dem 101 in Taipei, dem zweithöchsten Gebäude der Welt schmerzt uns bald der Nacken vor lauter in die Höhe gucken. Wenn man im 85. Stock ankommt und sich an der Glasscheibe die Nase platt drückt, realisiert man erst wie hoch oben man eigentlich ist. Moderne und Tradition liegen in Taiwan sehr nah beieinander: man findet riesige Hochhäuser aber auch traditionelle, pompöse Tempel mit bunten Drachen auf den Dächern.

Eines steht fest: Formosa, die kleine Insel Taiwan, so wie portugiesische Seefahrer ihre Entdeckung nannten, bedeutet „die Wunderschöne“. Jetzt wissen wir warum!

/Christine