Lemuren Frisuren

8 Uhr morgens – die Frisur sitzt! Ich habe eben eine neue Frisur vom Lemuren nebenan bekommen – kein Spaß. Da bewundert man im Regenwald der Insel Nosy Komba im Norden Madagaskars die tropische Pflanzenwelt und plötzlich wird mein Rucksack Ladeplatz eines sehr speziellen Choiffeurs…

Ein schwarzer Lemur schaut sich erst um, übernimmt meine Banane und macht sich dann an meiner Frisur zu schaffen – so niedlich wie diese kleinen Halbaffen sind, verzeihe ich aber alles. Während unserer neuntägigen Reise durch Madagaskar wird es nicht der einzige Lemur bleiben und auch andere heimische Tiere wie Chamäleons und Schlagen nehmen auf mir Platz – ein schönes Fotomotiv für alle Mitreisenden.

Neben der fazinierenden Fauna bietet Madagaskar auch unglaubliche Flora mit vielen verschiedenen Pflanzenarten wie Baobabs oder der Baum der Reisenden. Durch das begünstigte Klima im Norden reisen wir vorbei an Kakao-, Ylan-Ylan – und Vanilleplantagen wie auch an unzähligen Reisfeldern, die einen speziellen Kontrast zur roten Erde bilden.

Wanderungen durch die Tsingy-Nationalparks beeindrucken mich nachhaltig. „Tsingy“ bedeutet „auf Zehenspitzen gehen“ und wenn man die vielen Kalk- und Sandsteinspitzen in schwarz oder rot sieht, versteht man auch warum. Ein Panoramablick jagt den nächsten und ich habe Madagaskar jetzt schon im Herzen, obwohl die Strecken durch ständiges Schlagloch-Umfahren sehr lange dauern.

Nach vier Tagen im Landesinneren erreichen wir die Küste und verbringen einen traumhaften Tag an Bord der Nofy Be. Ein selbstgebautes Schiff, das Letizia als Kapitänin hat. Letizia ist Europäerin und seit vier Jahren schippert sie vor der West- und Nordküste Madagaskars und nimmt hin und wieder Touristengruppen für einen oder mehrere Tage auf. Bei ihr ist „wir-lagen-vor-Madagaskar“ wörtlich zu nehmen. Roberto, der italienische Koch zaubert ein fanastisches Mittagessen und wir fragen uns, wie er das mit so wenig Zutaten überhaupt geschafft hat. Aber egal, wir wollen jetzt die Unterwasserwelt erkunden – und ich will tauchen! Nicola nimmt mich mit und wieder habe ich ein einzigartiges Erlebnis mit madegasischen Tieren: eine übergroße Meeresschildkröte begleitet uns und findet es anscheindend angenehm, ihren Kopf an meinem Tauchanzug zu reiben…

Abends legen wir in Nosy Be, der touristischsten Insel, an. Hier haben wir plötzlich auch wieder Handy – und WiFi-Eempfang und tolle Hotels! Für einen Vormittag genießen wir also diesen Luxus bevor wir am Nachmittag DEN heiligen Baum besuchen.

Ein 400 Jahre alter Banyan Tree befindet sich im Süden der Insel und wir dürfen ihn nur im traditionellen Gewand besichtigen. Auch dürfen wir nur mit dem rechten Fuß über die Schwelle treten – das bringt Glück! Aberglaube und Mystik begegnet einem in Madagaskar ständig – die 18 Volksgruppen auf der viertgrößten Insel der Erde glauben fast alle an Ahnenkult und ihre eigenen Regeln. So glauben zum Beispiel die Bewohner im Norden, dass ihre Ahnen in Bäumen oder Krokodilen wohnen, so dass alle Gewässer heilig sind. An manchen darf man nicht sprechen – vor allem nicht in Englisch. Viele Riten, Sitten und Gebräuche begegnen uns auf der Reise, die sehr spannend, aber für Europäer teilweise auch unverständlich oder skurril sind. So wird einem Baby, wenn es zwei Zähne hat, der Kopf rasiert und die Schwester der Mutter muss eine Suppe aus den Haaren trinken – das bringt dem Baby und der Familie Glück.

Wir beginnen und enden unsere Tour in Antananrivo, der Hauptstadt. Hier werden die vielen und großen Probleme, die Madgaskar hat, wieder sichtbar. Es muss viel getan werden. Tourismus kann teilweise helfen, aber steckt noch in den Kinderschuhen.

Das Land, die Menschen und die Natur ist aber wirklich absolut faszinierend, spannend und hoch interessant. Ich bin immer noch hin und weg!

Nächste Woche habe ich wieder einen Friseurtermin in Frankfurt…mal sehen, wie das wird.

Eure Sonja


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