Fallas de Valencia: Frühlingsanfang mit viel Krach und Feuer

Autsch! Es tut schon irgendwie weh, wenn gigantische Kunstwerke einfach in Rauch aufgehen. Etwa der berühmte Moses von Michelangelo. Mutwillig angezündet, einfach so zum Spaß. Sowas kann wirklich nur den Valencianos einfallen. Im März, während der Fallas, ist ihnen einfach gar nichts heilig. Alte Kunstwerke nicht, und Politiker und Banker von heute schon gar nicht.
Frühlingsanfang in Valencia – das sind zwei Wochen Fiesta Tag und Nacht, Musik, Umzüge, ohrenbetäubende Knallerei. Und riesige Feuer mitten in der Stadt. Es war mal wieder ein Riesenspaß. Gefeiert wird natürlich auf den Straßen, denn in Valenica ist es im März schon wunderbar warm. Also lässt man sich einfach mit Tausenden Menschen durch die Straßen treiben – die Valencianos wissen schon, wo am meisten los ist…

Das Leben in Pappmaschee

Aber der Reihe nach: Die Fallas de Valencia gehen auf eine uralte Tradition der Schreiner und Zimmerleute zurück. Die verbrannten früher am 19. März, dem Tag des Heiligen Joseph (San José) Holzreste in den Straßen. Mit der Zeit behängte man die Holzgestelle dann mit Kleidern wie Vogelscheuchen, und im 17. Jahrhundert gab es die erste Figur (falla) aus Pappmaschee.
Mittlerweile sind die Fallas riesige Kunstwerke geworden, an denen profesionelle Teams fast ein Jahr lang arbeiten. Anfang März werden dann Hunderte Fallas in ganz Valencia aufgestellt. Ich habe mir wieder mal einen Spaß daraus gemacht, durch die Stadt zu ziehen und die verschiedenen Fallas zu bewundern. Überall diskutieren die Valencianos über die schönsten Figuren – und vor allem über die aktuellen Themen, die dahinterstecken.

Zentrale Falla auf dem Rathausplatz war dieses Jahr eine Nachbildung der Moses-Statue von Michelangelo: 15 Meter hoch und sieben Tonnen schwer, flankiert von den „Zehn Geboten des guten Valenciano“: „Du sollst die Fiesta achten“ hieß es da ironisch oder „Du sollst deine Promis ehren“. Natürlich nahmen die Zehn Gebote auch Bezug auf die wirtschaftliche Situation in Spanien: „Du sollst nicht das Geld von anderen begehren“ (das Finanzamt als Vampir) oder „Du sollst nicht deine Zukunft töten“: ein Mann, der durch schwere Ziegelsteine – seine Hypotheken – erdrückt wird.

Spektakel für alle Sinne
Schon am 1. März ging es auch dieses Jahr wieder los mit den mascletás. Das sind sozusagen Feuerwerke ohne Licht. Rein akustische pyrotechnische Kompositionen, die wirklich durch Mark und Bein gehen. Jeden Tag gibt’s nach festem Terminkalender ohrenbetäubende Knallereien in den Straßen – sie sollen wohl den Winter erschrecken. Und weil der sich so ungeheuer fürchtet vor dem Krach, hat er in Valencia im März meist sowieso schon Reißaus genommen.

Neben den herrlichen Figuren, den Fallas, liebe ich an diesem Frühlingsfest vor allem die ofrenda de flores, das Blumenopfer: Am Wochenende vor Frühlingsanfang ziehen die einzelnen Fallera-Gruppen vor die Kathedrale von Valencia und bestecken eine 15 Meter hohe Jungfrau aus Holz mit Millionen Blumen. Es duftet nach Orangenblüten und Rosen und jeder Verein spielt beim Einzug das berühmte Lied: „Valenciaaaa, es la tierra de las flores, de la luz y del amor. Valenciaaaa, tus mujeres todas tienen de las rosas el color…”

Das große Feuer
Höhepunkt des Festes war wie jedes Jahr am 19. März die cremá, die große Verbrennung. Genau um Mitternacht gehen dann mit einem Knall die Fallas der ganzen Stadt in Flammen auf. Qualm steht auf den Plazas, die Menschenmassen weichen vor der Hitze zurück in die engen Straßen und Gassen. Und um Punkt ein Uhr nachts drückt die Fallas-Königin dann auch am Rathausplatz den Knopf. Innerhalb weniger Sekunden stand der Moses in Flammen. Die kunstvolle Arbeit eines ganzen Jahres verwandelt sich binnen Minuten in ein Häufchen Asche, untermalt durch Tausende Menschen, die zuerst die valencianische Hymne singen und dann die spanische.
Nur eine einzige auserwählte Figur bleibt jedes Jahr verschont. Wenn Sie also mal nach Valencia kommen, können Sie im Museo Fallero immer ein wenig Fallas-Atmosphäre schnuppern: Dort werden die ninots indultats, die „begnadigten Puppen“ nämlich gesammelt und ausgestellt.


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